"Sonntags Zeitung", 8.4.2007
Jährlich werden 1.4 Millionen Legehennen verbranntBranchenverband prüft Verarbeitung von ausgedienten Hühnern zu Wurstware
Die Schweizer Eierlieferanten haben ein Problem. Ihr Produkt war diese Ostern
so begehrt wie schon seit Jahren nicht mehr. Doch wenn nach den Feiertagen bis
zum Sommer die Hälfte der Legehennen getötet wird, will niemand die Suppenhühner.
Jährlich werden rund zwei Millionen Tiere ersetzt. "Wir schätzen, dass 70 Prozent
als Brennstoff enden", sagt Gallosuisse-Präsident Willi Lüchinger.
Jetzt will die Branchenorganisation das Problem angehen - sie hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt und sucht Wege, "die Verschwendung des hochwertigen Lebensmittels zu beenden". Denkbar wäre eine Verarbeitung zu Charcuterie, etwa als Bratwürste oder Pastetenfüllung. Ruedi Zweifel, Direktor des Aviforums und Leiter der Arbeitsgruppe, prüft auch "Schlachtmöglichkeiten im grenznahen Ausland". Denn die Schlacht- und Verarbeitungskosten sind in den letzten Jahren laut Zweifel horrend gestiegen. Gespräche mit Schlachtereien und Verarbeitungsbetrieben führten nicht zu besseren Konditionen. "Wir müssen jedem Huhn einen Franken an die Federn heften, damit sie jemand abnimmt und schlachtet", sagt Willi Lüchinger. Kagfreiland arbeitet an einer neuen Bio-LinieDie Branche ist besorgt. Das Schweizer Ei habe dank der tierfreundlichen Haltung der Hennen und dem grossen Anteil an Freilandtieren ein sehr gutes Image. "Das wollen wir erhalten", betont Zweifel. Bis zur Delegiertenversammlung der Gallosuisse im Sommer will er Lösungsvorschläge unterbreiten.Mittlerweile haben auch die Schlachthöfe erkannt, dass sie handeln müssen. "Wir versuchen mit den Bouillonherstellern ins Geschäft zu kommen", heisst es bei Bell. Knorr und die Migros-Lieferantin Haco verwenden keine einheimischen Tiere. Knorr begründet dies mit dem Fehlen der Schweizer Lieferanten von getrocknetem Fleischgranulat. "Wir können kein Schweizer Fleisch verwenden, weil wir sonst nicht in die EU exportieren können", erklärt Haco-Geschäftsführer Markus Kähr. Zwei Rezepturen, eine fürs In- und eine fürs Ausland, wären zu teuer. Seit 2006 haben die zwei grossen Schweizer Geflügelschlachthöfe jedoch die Zulassung für die Ausfuhr in die EU. Ob das dazu führt, dass künftig die Suppenhühner ihrem Namen wieder Ehre machen dürfen, ist fraglich. Die Hersteller argumentieren mit Qualität und EU-Normen, letztlich zählt der Preis. Für die Einfuhr von ausländischem Hühnergranulat ist nicht einmal ein Kontingent nötig. Das Schicksal der Bio-Legehennen ist ebenfalls nicht gelöst. "Die Ernährungsgewohnheiten haben sich stark geändert", stellt Bio-Suisse-Sprecherin Jacqueline Forster-Zigerli auch bei ihrer Kundschaft fest. Kagfreiland arbeitet seit kurzem an einem Pilotprojekt. Ziel ist eine Bio-Linie, die in Läden und Restaurants erhältlich sein soll. Da Hühnerbrüstli kleiner und fester im Biss sind, könnte dieses Angebot geschnetzeltes Brustfleisch, Hamburger, Fleischkäse, Bratwürste sowie Gehacktes umfassen. Eierproduzent Othmar Hungerbühler hofft auch auf den Weltmarkt. "Bisher gab es fast keinen Unterschied zwischen Hühner- und Pouletfleisch". Doch nun steigen die Preise im Ausland stetig. Das Futter wird teurer, weil auf immer mehr Feldern Pflanzen für Bioenergie wachsen. Petra Wessalowski. |

